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Nächste Generation von eCM & eSM Lösungen an der E-world 2022
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Jens Bartenschlager
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September 9, 2026
Fünf Befunde aus Economic Scenarios for Transformative AI (Korinek, Jones, Sacher, Cotter, McCrory) und was sie für uns als Entscheider im Energiehandel bedeuten.
In den Chefetagen herrscht eine trügerische Ruhe. Die Arbeitsmärkte wirken noch stabil. Das ist kein Beleg für Harmlosigkeit, sondern das Auge des Sturms. Die Modellrechnungen zeigen: Bis Ende 2027 bleiben die Effekte gedämpft. Danach divergieren die Pfade.
Die unbequeme Frage lautet nicht, ob KI kommt. Sie lautet: Sind wir bereit für eine Welt, in der das BIP im Extremszenario um rund 15 % pro Jahr wachsen kann und fast jeder fünfte Wissensarbeiter ohne Stelle dasteht? Wer die Organisationsstruktur bis dahin nicht umbaut, hält 2030 ein Legacy-Risiko.
Der strategische Denkfehler: KI treibe Wachstum vor allem über neue wissenschaftliche Durchbrüche. Das Papier korrigiert das. Der Wachstumsschub durch KI in der Innovation bleibt in allen Szenarien gering: unter einem Prozent Produktivitätszuwachs.
Ursache ist das Prinzip der gross complements: Physische und kognitive Prozesse sind Komplemente. Was sich nicht physisch umsetzen lässt, begrenzt den kognitiven Gewinn.
Für uns heißt das: weg von der Illusion, F&E allein sei der Hebel und hin zu Operational Excellence und Deployment. Der Motor ist die Automatisierung bestehender kognitiver Arbeit, nicht die nächste Idee.
Genau das ist Post-Trade. Confirmation, Settlement, Matching, Netting, Optimierung des Betriebskapitals und Reporting sind kognitive Routine mit physischem und regulatorischem Flaschenhals. Wer hier noch druckt, mailt und abstimmt, automatisiert nicht. Eine Plattform wie das Fidectus Global Energy Network (GEN) – Confirmation Hub, Settlement Hub, Regulatory Reporting Hub – ist kein IT-Projekt. Sie ist der Anwendungsschritt, den das Modell als eigentlichen Wachstumstreiber beschreibt: bestehende kognitive Aufgaben durchgängig, gegenparteienunabhängig und auditierbar ausführen.
“One surprising finding of our model is that the growth speedup from AI in innovation is relatively minor, even in the extreme change scenario.”
Die Karrierepfade, die wir predigen, werden unscharf. Im Extremszenario liegen Gehälter kognitiver Berufe 11,5 % unter dem Pfad ohne KI. Physische und zwischenmenschliche Berufe wie Elektriker, Bau oder Pflege steigen um rund ein Drittel.
Ein Minus von 11,5 % gegen den No-AI-Pfad bedeutet bei rund 2 % Basiswachstum Stagnation oder leichten Reallohnrückgang gegenüber heute. Ob der Übergang Wohlstand schafft oder zerstört, hängt an der Elastizität des Compute-Kapitals. Bleibt Rechenleistung knapp, fallen Löhne absolut. Nur massive Hardware-Skalierung macht menschliche Arbeit dort wertvoll, wo KI keine Präsenz hat: vor Ort, in der Beziehung, in der Haftung.
Für Energiehandelsorganisationen folgt daraus keine Romantik des Handwerks, sondern eine harte Priorität: kognitive Back-Office-Kapazität nicht als Status, sondern als Kosten- und Risikohebel behandeln und sie dort automatisieren, wo Matching, Abstimmung und Reporting es bereits möglich machen.
10’980 befragte US-Erwachsene liegen mit ihrem Median nahe am Substantial Change-Szenario der Autoren: rund 8 % höheres BIP bis 2030. Viele Institutionen rechnen noch moderater. Der Markt draußen nicht.
Drei Erwartungen der Öffentlichkeit bis 2030 sollte jedes Exekutivkomitee ernst nehmen:
Wenn „No-Employee-Businesses“ für plausibel gehalten werden, sind Tausende Wissensarbeiter in der Linie kein automatischer Vorteil mehr. Im Energiehandel heißt das konkret: Touchless Confirmation und electronic Settlement Matching sind kein Nice-to-have. Sie sind die Probe, ob wir kognitive Arbeit skalieren oder nur umbenennen.
Der Lohnanteil am Volkseinkommen lag jahrzehntelang bei etwa 60 %. Im Extremszenario kann er bis 2030 auf 45 % fallen: ein Transfer von rund 15 Prozentpunkten des Einkommens von Gehaltslisten zu Kapitalrenditen.
Unternehmenswerte hängen dann weniger am Humankapital als am KI- und Prozesskapital: Compute, Daten, durchgängige Workflows. Wer Confirmations und Settlements noch als Personenstunden führt, bewertet das falsche Asset.
“A transfer of about 9 percent of GDP, roughly the size of Social Security and Medicare combined, would hold cognitive workers’ income at its no-AI level.”
Das Extreme Change-Szenario ist kein Feuilleton. Es modelliert messbare Parameter: rund 15 % BIP-Wachstum pro Jahr um 2030, theoretisch eine Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens alle fünf Jahre – und 17,9 % Arbeitslosigkeit unter Wissensarbeitern.
Explodierender Output, Verdrängung der kognitiven Mitte: das ist die Führungsfrage. Nicht, ob wir ein weiteres Tool kaufen. Ob wir den operativen Kern so bauen, dass Wachstum nicht an manueller Abstimmung stirbt.
Bis Ende 2027 bleibt Zeit für Anpassung. Danach trennen sich die Kurven. Ressourcen für Wohlstand können im Überfluss entstehen. Unsere Verteilungs- und Betriebsmodelle sind darauf nicht ausgelegt.
Als CEOs reicht Effizienz in der eigenen P&L nicht. Wir müssen den Gesellschaftsvertrag mitdenken und parallel den Vertrag in der eigenen Wertschöpfung neu schreiben: weniger kognitive Schichtarbeit, mehr kapitalisierte Prozesse.
In unserem Markt ist das keine Abstraktion. Wer Confirmation, Settlement und regulatorisches Reporting noch als Menschenkette organisiert, wettet gegen die Aussage des Papiers. Wer sie als durchgängiges Netzwerk führt, unabhängig von Format, Kanal und Gegenpartei, setzt auf den Hebel, den die Autoren selbst für den entscheidenden halten: Automatisierung vorhandener kognitiver Arbeit.
Die Frage ab heute: Wenn das BIP wächst, aber traditionelle Wissensarbeit als Einkommens- und Organisationsprinzip schwindet, wie stellen wir den Betrieb und den Vertrag so auf, dass beides trägt?
Quelle: Korinek, Jones, Sacher, Cotter, McCrory, Economic Scenarios for Transformative AI, Anthropic, September 2026.
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